07.07.23 | 10:30 - 12:30 Uhr

„Macht systemisch noch Sinn?“ 

Martin Rufer, Günther Schiepek, Rieke Oelkers-Ax

Die Frage, ob „systemisch“ noch Sinn macht, mag in Zeiten, in denen die Systemische Therapie entweder seit langem anerkannt ist (Schweiz) oder seit kurzem die Kassenzulassung hat (Deutschland), erstaunen und einige verstören. In einer Zeit, wo Therapieverfahren und Methoden wellenartig kommen und gehen und die Frage “Bist Du SystemikerIn? VerhaltenstherapeutIn? Oder was?“ nicht mehr so leicht zu beantworten ist, müssen auch wir SystemikerInnen uns dieser Frage stellen. Pointiert werden diese Fragen durch die Schwierigkeit, etwas noch als "systemisch" zu benennen, was oft nur ein weichgespültes Sammelsurium von Ideen dazu zu sein scheint, dass "alles irgendwie zusammenspielt". Die verfahrensspezifische (systemische) Identität, die eigene „Heimat“ steht auf dem Prüfstand: Verstehen und praktizieren wir „systemisch“ als abgrenzbares Verfahren und/oder als schulenübergreifenden Integrationsansatz, der Therapieeffekte sehr viel dynamischer zu erfassen versucht als in den RCTs, wie sie z.B. auch zur Wirksamkeit der „Systemischen Therapie“ vorgelegt wurden? Wie werden systemische Konzepte der Selbstorganisation und der nichtlinearen Dynamik zum Verständnis individueller Prozesse in Ausbildungscurricula einbezogen? Wie sieht es später mit der Nachhaltigkeit und dem Selbstverständnis der eigenen (systemischen?) Praxistätigkeit aus? Welche (systemischen) Konzepte haben wir im Hinblick auf Qualitätssicherung anzubieten? „Quo vadis, Systemik?“, oder: „Wo haben wir dich verloren?“ 

An diesem Tag soll mit kurzen Impulsreferaten auf dem Boden eigener Erfahrungen als PraktikerIn, AusbildnerIn, SupervisorIn, ForscherIn ein offener, transparenter Diskurs zu diesen Fragen angestoßen werden.

MARTIN RUFER
Lic.phil. MSc Psychologie, Eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut, Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychologie. 1978-1998 stationäre Drogentherapie, Erziehungsberatung, Kinder- und Jugendpsychiatrie. Freiberuflich in eigener Praxis in Bern (CH) seit 1990 (Therapie, Lehrsupervision, Weiterbildung).1999-2009 Co-Leitung des Zentrums für systemische Therapie und Beratung (ZSB Bern). Berufspolitik im Rahmen psychologischer und systemischer Fachverbände. Seit 2008 diverse Publikationen zur Theorie und Praxis von Psychotherapie/Systemsicher Therapie.



GÜNTER SCHIEPEK
Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. phil. habil. Günter Schiepek. Studium der Psychologie in Salzburg (Promotion 1984), Habilitation für Psychologie in Bamberg (1990). Leiter des Instituts für Synergetik und Psychotherapieforschung an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Professor an der der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Gastprofessor an der Sapienza Universität Rom. Geschäftsführer des Center for Complex Systems. Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste (Academia Scientiarium et Artium Europaea). Ehrenmitglied der Systemischen Gesellschaft (Deutscher Dachverband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung). Mitglied des wissenschaftlichen Direktoriums der Deutsch-Japanischen Gesellschaft für integrative Wissenschaft. Lehrtherapeut für Systemische Therapie (DGSF). Fellow des Mind Force Institute, Sapienza University, Rom. Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. 

Arbeitsschwerpunkte: Synergetik und Dynamik nichtlinearer Systeme in Psychologie und in den Neurowissenschaften. Prozess-Outcome-Forschung in der Psychotherapie. Neurobiologie der Psychotherapie. Methodenentwicklung im Bereich des App- und Internet-basierten Real-Time Monitorings in verschiedenen Anwendungsfeldern. Sozialpsychologie, Management und Kompetenzforschung. 

Wissenschaftlicher Beirat zahlreicher Institute, Verbände und Fachzeitschriften. Autor oder Herausgeber von 25 Büchern. Etwa 250 internationale und deutschsprachige Publikationen in Fachzeitschriften und Büchern. 


RIEKE OELKERS-AX
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Systemische Therapeutin, Chefärztin des Familientherapeutischen Zentrums (FaTZ) Neckargemünd, einer systemischen familienpsychiatrischen Akut-Tagesklinik für Eltern und Kinder, Systemische Lehrtherapeutin am hsi Heidelberg, Sprecherin des Fachreferats für Frauen-